Klinik Schwabenland
Fachklinik für Innere Medizin
 
 
 
 

ES IST WICHTIG, SELBST WIEDER MUT ZU BEKOMMEN UND ZU WOLLEN

Im Gespräch mit Eva-Maria G., einem der Gesichter der Kampagne „Umsonst ist keine Reha“

Isny-Neutrauchburg – Eva-Maria G. weilt zurzeit in der Waldburg-Zeil Klinik Schwabenland, einer Fachklinik für onkologische Rehabilitation. Nach Mandelkrebs 2008 und Brustkrebs 2013 ist sie nun zum dritten Mal in der Klinik Schwabenland – diesmal mit einem so genannten Heilverfahren. Seit 2014 ist Eva-Maria G. eines der Gesichter der Kampagne „Umsonst ist keine Reha“ der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft.
Sie haben sich bereit erklärt, mit Ihrer Geschichte und Ihrem Gesicht für die Reha-Kampagne zu stehen: auf Postkarten, Plakaten, bei Veranstaltungen haben Sie Ihre Erfahrungen öffentlich gemacht.  
Wollten Sie Ihre Erkrankung nicht lieber schnell vergessen?
  
  
Für mich waren meine Reha-Aufenthalte ganz wichtige Meilensteine auf dem Weg zurück in mein Leben. Ich hatte zwar den Krebs besiegt, aber einen großen Teil meiner Kraft verloren. In meiner Familie habe ich mich ja immer stark gezeigt. Aber irgendwann waren meine Ressourcen aufgebraucht. Hier in der Reha habe ich viele Menschen getroffen, denen es nach einer schweren Erkrankung ging wie mir. Da konnte ich über meine Beschwerden und Ängste sprechen – etwas das ich zu Hause nach der langen Krankheitsdauer niemanden mehr zumuten wollte.  
  
In meinen ersten beiden Aufenthalten habe ich gelernt, mit meinen Kräften zu haushalten und was es bedeutet, dies zu missachten. Erfahrungen, Erlerntes und neu Erprobtes haben mich während meiner Reha auf einen richtigen Weg gebracht. Einen Weg, der mir gut tut. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass mehr Menschen nach einer schweren Erkrankung den Mut finden, einen Reha zu beginnen.  
  
Warum haben Sie sich zu noch einem Heilverfahren entschlossen?
  
  
Manchmal ist eine AHB nicht genug. Ich habe ja wieder angefangen voll zu arbeiten und bin froh nach dieser harten Zeit voll Tatkraft in den Beruf zurückgekehrt zu sein. Aber die guten Vorsätze bleiben im Alltag auf der Strecke. Ich habe – wie viele – keine Zeit mehr für Sport gehabt oder den richtigen Ausgleich zu finden. Den Brustkrebs sieht man ja äußerlich nicht. Aber natürlich hat er seine Spuren in mir als Mensch hinterlassen. Deshalb habe ich noch mal einen Antrag auf ein Heilverfahren gestellt, um drei Wochen Kraft zu tanken, mit den Ärzten meine aktuelle gesundheitliche Situation zu besprechen – damit ich weiter meinen Arbeitsalltag bewältige.  
  
Und dann?
  
  
Wurde mein Antrag abgelehnt. Ich war im letzten Jahr schließlich keinen Tag mehr zu Hause, nie krank… Dabei ist doch das Beste, was einer Krankenkasse oder einer Rentenversicherung passieren kann – dass ein Mensch Kräfte schöpft, um weiter arbeiten zu können. So habe ich tatsächlich selbst erfahren müssen, wofür sich die Kampagne der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft stark macht, nämlich, dass immer noch zu viele Rehaanträge abgelehnt werden.  
  
Hätten Sie vielleicht lieber eine ambulante Reha beantragen sollen?
  
  
Bestimmt gibt es Menschen, für die eine ambulante Reha passt. Für meine Situation wäre sie nicht das Richtige gewesen. Ambulant hieße, ich hetze zu meiner Reha, fahre selbst hin und wieder zurück, koche, kaufe ein. Ein Abarbeiten von Terminen wäre das gewesen, aber keine Zeit für mich selbst, um heraus aus dem Alltag wirklich etwas in mir selbst voranzubringen. Hier, in meiner stationären Reha, muss ich für niemanden anderen da sein. Da darf ich nur für mich Entscheidungen treffen.  
  
Aber am Ende hat es doch noch geklappt?
  
  
Ja, ich habe Widerspruch eingelegt, gekämpft. Aber ich kann mir jetzt besser vorstellen, wie sich Menschen fühlen, die am Boden sind, nach einer lebensbedrohlichen Diagnose oder einer komplizierten Erkrankung – da kann man eigentlich nicht kämpfen. Deshalb bin ich gern weiter das Gesicht der Rehakampagne. Man kann es nicht oft genug sagen: eine Reha ist nicht umsonst.  
  
Gehen Sie die Reha nun anders an?
  
  
Ich mache wieder viel Nordic Walking oder gehe in den MTT-Raum. Außerdem suche ich aktiver das Gespräch, zum Beispiel mit Frau Dr. Achberger. Hier haben mir die Ärzte die Angst genommen und mir genügend Informationen und Kraft gegeben, dass ich wieder Vertrauen in meinen Körper haben kann. Außerdem sind die diagnostischen Möglichkeiten in Neutrauchburg wirklich ausgezeichnet. Ich muss zum Beispiel Medikamente nehmen, die die Knochen angreifen. Da ist es wichtig zu wissen, wie es um meine Knochendichte bestellt ist – eine Untersuchung, die ich hier vor Ort einfach in der orthopädischen Nachbarklinikmachen lassen kann. Das tut wirklich gut.  
  
Außerdem habe ich hier so viele Begegnungen mit Menschen. Viele stecken noch tief drin in dem Schock der Diagnose, sie sind niedergeschlagen, wissen, dass Krebs tödlich sein kann. Da kann ich dann sagen: Schau mich an, Du kannst das schaffen. Den größten Mist hast Du hinter Dir. Aber jetzt musst Du selbst mit daran arbeiten, dass es besser wird. Nicht nur das Negative sehen. Es ist wichtig selber wieder Mut zu bekommen und zu wollen. Man muss sich mit der Krankheit auseinandersetzen. Wissen ist Macht – Nichtwissen ist Ohnmacht!  
  
Vielen Dank für das Gespräch.  
  
Info
  
  
Nur ein Drittel der Patienten nutzen nach Chemotherapie, Bestrahlung oder Operation die Möglichkeit einer onkologischen Reha. Gerade Patienten, die nicht mehr in einem Krankenhaus behandelt werden, erholen sich noch zu selten von den belastenden Therapien in einer spezialisierten Klinik. Beratung und Auskünfte für die Beantragung geben zum Beispiel die örtlichen Krebsberatungsstellen.  
  
AHB oder AR
  
  
Eine AHB (Anschlussheilbehandlung) oder auch Anschlussrehabilitation hilft dem Patienten nach einem längeren Krankenhausaufenthalt, sich wieder an das tägliche Leben und den Berufsalltag zu gewöhnen. Sie baut physisch sowie psychisch auf. Die AHB soll bestenfalls unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt beginnen, jedoch spätestens nach 14 Tagen.  
  
Heilverfahren
  
  
Ein Heilverfahren kann unabhängig von einem Krankenhausaufenthalt beantragt werden. Es meint im Sozialrecht (SGB IX) eine stationäre medizinische Rehabilitation.  
  
 

„Umsonst ist keine Reha“

  
  
Seit Herbst 2014 beteiligen sich 91 baden-württembergische Kliniken an der BWKG-Kampagne „Umsonst ist keine Reha.” Die Reha-Kampagne wird als Weckruf an die Politik verstanden. Damit werben BWKG und baden-württembergische Reha-Kliniken für eine konsequente Politik zugunsten der Reha. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen die ganz persönlichen Geschichten von Patientinnen und Patienten. Sie machen sich für die Reha stark und zeigen in der Kampagne Gesicht: Auf Postern, Postkarten und im Internet unter www.umsonst-ist-keine-reha.de.  
  
 
Artikel aus: www.rehanews24.de vom 14.12.2015. 
Veröffentlicht am: 11.07.2017  /  News-Bereich: Die Presse über uns
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